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| TouristikNOWA HUTADie stürmische Geschichte vom Stalinismus bis zur Gewerkschaft Solidarno¶æ Nowa Huta ist ein moderner Industriestadtteil Krakaus (ursprünglich eine Stadt für sich) aus den 50-er Jahren, der mit einer gewaltigen Eisenhütte verbunden ist. Das Kombinat von Nowa Huta sollte ein Geschenk des russischen Volkes für die Polen sein. Breite Straßen sowie stattliche, gut ausgestattete Häuser sollten zu einem Bereich werden, in dem die damals regierende Partei beabsichtigte, eine neue sozialistische Gesellschaft zu gestalten. Doch nicht alles gelang so wie vorgesehen. Zuerst ging es um die Kirche, deren Bau die kommunistischen Machthaber verhindern wollten. Am 24. April 1960 kam es aus diesem Anlass zu Unruhen, bei denen Menschen verprügelt und verletzt wurden. Die Stadt - schon damals mit Krakau zu einem Gemeinwesen verbunden - zeigte ihr neues Gesicht: Das Lieblingskind des Systems wurde zur Bedrohung. Als Nowa Huta sein 30-jähriges Bestehen feierte, rückten schon die stürmischen 80-er Jahre heran; da stellte sich auch heraus, dass durch die breiten Alleen nicht nur Umzüge zum Ersten Mai, sondern auch oppositionelle Demonstrationen marschieren können. Die hier lebenden großen, gut integrierten Gruppen von Menschen (oft waren die einzelnen Wohnblöcke mit Bewohnern aus ein und demselben Dorf besiedelt worden) wurden zum Rückhalt für die Gewerkschaft "Solidarno¶æ", die Nowa Huta in ihr größtes Bollwerk verwandelte. Mit der Baugrube für den ersten Wohnblock wurde in Nowa Huta am 23. Juni 1949 und mit dem Bau des Kombinats etwas später, am 26. April 1950, begonnen. Im Rekordjahr 1977 beschäftigte die Hütte 38.000 Menschen und erzeugte 6,7 Mio. Tonnen Stahl (heute ca. 1 Mio.) pro Jahr. Grundlage für den Bebauungsplan des Zentrums von Nowa Huta waren drei Achsen: Eine verband die neue Stadt mit dem historischen Zentrum Krakaus (Achse der Stadt), eine andere mit dem Kombinat (Achse der Arbeit) und die dritte mit dem Rathausplatz (Achse der Erholung). Auf dieser Grundlage entwarf Tadeusz Ptaszycki, Hauptarchitekt von Nowa Huta, den Zentralplatz, von dem fünf Verkehrsadern ausgingen und der von einer Stadt auf dem Grundriss eines halben Oktogons umgeben war. Gemäß der Ideologie des sozialistischen Realismus sollte die Kunst "ihrem Inhalt nach sozialistisch und ihrer Form nach national" sein. Nach den Verwüstungen des Krieges war jedoch nicht viel erhalten geblieben - hauptsächlich die Renaissancestädte Krakau, Zamo¶æ und Kazimierz an der Weichsel. So wurde die Renaissance zum polnischen "Nationalstil" erklärt und es wurde beschlossen, auch Nowa Huta in diesem Stil zu erbauen. Somit knüpfte die polnische Architektur des sozialistischen Realismus gar nicht an die russische an, wo der Klassizismus einheitlich vorherrschte, sondern zeichnete sich durch ihr eigenes originelles Merkmal aus.
Stahlhütte Huta ISPAT Polska Stal - Niederlassung in Krakau (früher T.-Sendzimir-Hütte)Die STADTROUTE NOWA HUTA beginnt am Tor der Hütte, die seinerzeit den Namen von Vladimir Lenin und später den von Tadeusz Sendzimir trug. Gegenwärtig ist die Hütte ein Teil des Konsortiums der Polnischen Stahlhütten (PHS), das neulich durch den LNM-Konzern, im Besitz des indischen Stahlmagnaten Lakszmi Mithal, erworben wurde. Derzeit kann das Kombinat nur von außen besichtigt werden. Der Haupteingang der Hütte an der ul. Ujastek 1 wurde in den Jahren 1952-1955 erbaut und bildet eines der besten Beispiele für den sozialistischen Realismus in der polnischen Kunst. Der Haupteingang wurde von den Architekten Janusz Ballenstadt und Janusz Ingarden entworfen. Das riesengroße, von zwei Bürogebäuden flankierte Tor trägt alle Merkmale des Renaissancestils, der hier Vorbild war. Das Verwaltungszentrum der Hütte wird im Volksmund bis heute "Dogenpalast" oder "Vatikan" genannt und man muss zugeben, dass diese Assoziationen nicht ganz unzutreffend sind. Zwar wurden seine herrlichen Innenräume durch die Umbauten der 90-er Jahre teilweise beeinträchtigt, trotzdem liefert es - mit Treppenhäusern in Marmor sowie eigens entworfenen Möbeln - ein Beispiel für eine der am besten erhaltenen Anlagen aus den 50-er Jahren. Die Hütte ist ein Koloss. Hunderte von Gebäuden, miteinander verflochtene Rohre sowie Gleise, die in alle möglichen Richtungen führen. Die Gesamtfläche des Betriebs beträgt etwa 1.000 Hektar. Straßen und Gleise zählen Dutzende, wenn nicht Hunderte von Kilometern. Wenn ein Hüttenkran fährt, erinnert das an ein Erdbeben. In manche der Hallen würden mehrere Krakauer Hauptmärkte, nebeneinander angeordnet, hineinpassen. Die haushohen Hochöfen mit flüssigem Metall erinnern wiederum an Vulkane mit glühender Lava. Nach 1989 unterlag das Kombinat zahlreichen Veränderungen. Zuerst ging es um seinen Patron: Der Name Lenin passte nicht mehr zu den neuen, veränderten Zeiten, so wurde er durch Tadeusz Sendzimir, einen bedeutenden amerikanischen Ingenieur polnischer Abstammung, ersetzt. Als eine der ersten Abteilungen wurde das Grobwalzwerk, das Hauptbollwerk der Gewerkschaft "Solidarno¶æ" in der Hütte, stillgelegt. Gerade von hier aus rekrutierten sich ihre kühnsten Aktivisten, die Streikführer, Menschen des Untergrunds. Leider hat sich in der heutigen Realität die Erhaltung der unrentablen Abteilung als unmöglich erwiesen. Gleich neben der Grobwalzwerkhalle befindet sich ein Bürogebäude mit einer Gedenkstube für die "Solidarno¶æ": in der ehemaligen Kantine sind Originalspruchbänder aus der Zeit des Kriegszustands sowie Plakate aus verschiedenen Perioden der Betriebsgeschichte zu sehen. In der Stube wurden in erster Linie Andenken zusammen getragen, die mit der Geschichte der ersten unabhängigen Gewerkschaft Nachkriegspolens in Verbindung stehen: Urkunden, Handzettel, Abzeichen, handgestickte Fahnen, selbst eine kleine Kapelle, die sich seinerzeit in der Grobwalzwerkhalle befand. Vor dem Gebäude steht ein Denkmal in Form des Buchstabens "V", verziert mit einem Adler mit Krone, dem Schriftzug "Solidarno¶æ" sowie Datumstafeln. Das Denkmal ist all denen gewidmet, die ein Stück ihres Lebens dafür geopfert haben, in der Hütte die erste freie Gewerkschaft zu gründen. Wanda-Hügel In gewissem Sinne ist Nowa Huta der älteste Teil Krakaus. Zwar wurde mit seinem Bau erst 1949 begonnen, doch hat die archäologische Forschung ergeben, dass dieser Standort spätestens seit dem Jahre 5000 v. Chr. durchgängig besiedelt war, während die Siedlungsgeschichte auf dem Gelände der heutigen Altstadt erst im 8. Jh. n. Chr. begann. Ein Andenken an diese uralten Zeiten ist ein stattliches Hügelgrab direkt an der Umzäunung des Kombinats (in der Nähe der Straßenkreuzung Ujastek-T.Ptaszyckiego). Dieses gilt als Grab der Prinzessin Wanda, der Tochter des Fürsten Krak, des legendären Stadtgründers. Um durch eine erzwungene Eheschließung keinem Ausländer die Herrschaft über Polen geben zu müssen, stürzte sie sich in die Weichsel, wodurch sie zum Symbol der Aufopferung für das Vaterland geworden ist. Gegenwärtig schmückt das Hügelgrab Wandas ein kleines Denkmal aus dem 19. Jh. nach einem Entwurf des bedeutenden polnischen Malers Jan Matejko, der im nahe gelegenen Gutshaus von Krzes³awice lebte.
Gutshaus von Jan Matejko und die Johannes-Baptist-KircheDas Gutshaus von Jan Matejko in Krzes³awice (ul. Wañkowicza 25), im Besitz der Gesellschaft der Freunde der Bildenden Künste in Krakau, ist das einzige Kunstmuseum auf dem Gebiet des heutigen Nowa Huta. An dem einstöckigen Haus befindet sich ein Anbau, der seinerzeit dem Meister Jan als Atelier diente. In fünf geräumigen Sälen sind Möbel, Gemälde sowie Gebrauchsgegenstände aus dem 18. und 19. Jahrhundert ausgestellt, die mit den bedeutenden Bewohnern des Gutshauses verbunden sind. Der Erste von ihnen war Hugo Ko³³±taj - ein berühmter Politiker der Aufklärungszeit, Mitautor der ersten europäischen Verfassung (welche die amerikanische Verfassung zum Vorbild hatte), die nach dem Tag ihrer Verkündung die "3.-Mai-Verfassung" benannt wurde. 1778 pachtete Hugo Ko³³±taj Krzes³awice von der Krakauer Akademie, deren Rektor er war. 1876 erwarb das Gutshaus Jan Matejko, der größte polnische Maler des 19. Jahrhunderts. Für den Erwerb des Guts hatte Matejko den Erlös aus dem Verkauf des Gemäldes Batory bei Pskow bestimmt. Von jetzt an wurde Krzes³awice sein bevorzugter Erholungsort. In jedem freien Augenblick fand der Maler hier Zuflucht vor dem großstädtischen Lärm Krakaus. Hier sind das berühmte Gefolge der polnischen Könige, seine Illustrationen zu den Historischen Gesängen von Niemcewicz, die als das erste Beispiel für die Romantik in der polnischen Kunst gelten, weiterhin Matejkos Staffeleien, Zeichnungskisten, Gemälde und Reproduktionen zu sehen. Das Gutshaus ist von einem prächtigen englischen Park umgeben, an den das Freizeitgebiet am Stausee von Nowa Huta angrenzt. Nicht weit von Matejkos Gutshaus entfernt steht die hölzerne, einschiffige Johannes-Baptist-Kirche mit einer Gebälkkonstruktion. Das in den Jahren 1633-1648 erbaute Gotteshaus befand sich ursprünglich in der Ortschaft Jawornik bei My¶lenice, wurde jedoch, nachdem dort eine neue Kirche errichtet worden war, in den 80-er Jahren des 20. Jh. nicht mehr gebraucht, so dass ihm der Abbruch drohte. Weil gerade zu dieser Zeit in Nowa Huta ein Freilichtmuseum geplant wurde, stimmten die Behörden trotz ihrer generellen Abneigung gegen sakrale Bauten der Verlegung der Kirche hierher zu. Diese erfolgte in den Jahren 1983-1985, wobei ein prächtiger Turm dazugebaut wurde, den es ursprünglich gar nicht geben sollte. Wohnsiedlungen "Osiedle Wandy" und "Osiedle Willowe" Bei der Planung von Nowa Huta wurde auf das Konzept der "Nachbarschaften" zurückgegriffen, das in den 20-er Jahren in den Vereinigten Staaten erfunden wurde, als dortige Architekten an den Plänen des Ausbaus von New York arbeiteten. Solch eine "Nachbarschaft" sollte hier in Form einer Siedlung entstehen, die vier- bis fünftausend Bewohner zählte, mit einer kompletten, lebenswichtigen Infrastruktur ausgestattet war und eine Art separate Kleinstadt bildete. Über die Vorzüge der Bebauungsplanung von Nowa Huta wurde folgendes geschrieben: Einzelne Siedlungen, die gewissermaßen autonome Körper bilden, sind um die Hauptachse gelegen. Jede Siedlung verfügt über alles, was für eine komplette Versorgung ihrer Bewohner notwendig ist. So gibt es Geschäfte, Dienstleistungseinrichtungen, Gemeinschaftsräume, Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen und ein Kino. Jede Siedlung besitzt ihre eigene PKW-Gemeinschaftsgarage. Im Bereich ihrer eigenen Siedlung können die Bewohner alle ihre Alltagsbedürfnisse befriedigen. Die Gebäude der ersten Bauperiode schlagen einen Bogen vom Kloster in Mogi³a bis zur ul. Kocmyrzowska, wobei sie reizvolle Siedlungen voller Bäume und Blumen bilden. Das erste der hier erbauten Häuser befindet sich an der ul. Mierzwy (Siedlung Osiedle Wandy Nr. 14 - am Haus ist eine Gedenktafel angebracht). Genau hier stellte bei der Errichtung dieser Siedlungen der berühmte "Held der Arbeit" Piotr O¿añski seine Rekorde auf, ein Maurermeister, der es angeblich schaffte, binnen 8 Stunden 60.000 Stück Ziegel zu verbauen. Seine Person wurde zum Prototyp von Mateusz Birkut, der Hauptfigur aus dem berühmten Film Der Mensch aus Marmor von Andrzej Wajda.
Zisterzienserkloster in Mogi³aDie Heilige-Jungfrau-Marien-und-St.-Wenzelskirche in Mogi³a (in der ul. Klasztorna 11) gehört zusammen mit dem anliegenden Zisterzienserkloster zu den wertvollsten Sakralbauten der Region Kleinpolens. Hier wird das berühmte wundertätige Kruzifix von Mogi³a aufbewahrt. Es handelt sich dabei um eine außergewöhnliche Skulptur, die als einziges Element der Kircheneinrichtung beim Brand vom 1447 erhalten blieb, obwohl das Haar und das Lendentuch (Perizonium) Christi dem Feuer zum Opfer fielen. Von da an wird auf das Haupt des Erlösers eine Perücke aus natürlichem Haar aufgesetzt und um seine Hüfte ein echtes Tuch gebunden. In die heutige Kapelle wurde das Kruzifix 1588 versetzt, früher war es, wie vermutet wird, am Schnittpunkt von Haupt- und Querschiff platziert. Die Heiligkreuzkapelle ist mit einem prächtigen Gitter eingefasst, das von Stanis³aw ¯ó³kiewski, dem Kronhetmanen, als Votivgabe für seine Rettung in der denkwürdigen Schlacht von Cecora (im heutigen Rumänien) gestiftet wurde. Stifter des Klosters, wie auch der hölzernen St.-Bartholomäuskirche jenseits der Straße, war eine und dieselbe Person, ein Krakauer Bischof, der selig gesprochene Iwo Odrow±¿, der die Zisterzienser aus Schlesien nach Mogi³a holte. In Mogi³a ließen sich die Mönche 1222 nieder und begannen ihre Tätigkeit mit dem Aufstellen des Kreuzes auf dem Wanda-Hügel, der bis dahin eine heidnische Kultstätte geblieben war. In der Zeit der Renaissance wurde Mogi³a besonders auf dem Gebiet der Malerei berühmt. Zu bislang ungeahnten Höhen führte diese Kunst Bruder Stanis³aw Samostrzelnik, ein hiesiger Zisterzienser, der seine Werke im Auftrag des Hofes von König Sigismund dem Alten schuf. Seine Fresken sind in der Kirche von Mogi³a sowie in der Klosterbibliothek zu bewundern. In den Jahren 1716-1786 wurde am Kloster in Mogi³a das Generalstudium für die gesamte Zisterzienserprovinz angeboten, in dem Philosophie, Theologie, kanonisches Recht sowie Kirchengeschichte gelehrt wurden. Das Studium dauerte fünf Jahre und endete, ähnlich wie an den Universitäten, mit dem Doktortitel. Somit stellte das Generalstudium die erste Hochschule auf dem Gebiet des heutigen Nowa Huta dar. Weil die Kirche in Mogi³a als eine Ordenseinrichtung für die Gläubigen nicht zugänglich war, wurde für diese schon zur Zeit des selig gesprochenen Iwo Odrow±¿ nebenan die St.-Bartholomäuskirche erbaut. In ihrer heutigen Gestalt stammt die Kirche aus dem Jahre 1466 und ist ein Werk von Maciej M±czka, einem Tischlermeister, der seine Signatur mitsamt dem Datum der Fertigstellung des Gotteshauses am historischen Türrahmen angebracht hat. Die Kirche besteht aus drei Schiffen, was an anderen Holzbauten dieser Art in Polen nicht anzutreffen ist. Ihre Inneneinrichtung stammt aus der Zeit des Rokoko und stellt Menschen dar, die sich um den Konvent in Mogi³a verdient gemacht haben. Das ¯eromski-Krankenhaus und die Wiesen "£±ki Nowohuckie" Nicht weit vom Zentralplatz in Nowa Huta entfernt, befindet sich das Stefan-¯eromski-Fachkrankenhaus (Siedlung "Na Skarpie" Nr. 66), das als Stadtkrankenhaus 1954 gebaut wurde. Die Architekten S. Porêbowicz und S. Skrzyñski haben hier ein originelles Werk im Stil des sozialistischen Realismus, mit zahlreichen Anknüpfungen an Barock und Renaissance geschaffen. Vor dem Haupteingang des Krankenhauses ist eine Rotgussbüste seines Patrons, ein Werk von M. Konieczny, platziert. Das Krankenhaus hat seinen Standort auf einer Böschung, unterhalb der Wiesen, den sog. £±ki Nowohuckie, die eine riesengroße Grünanlage (ca. 70 ha) bilden und gleich neben dem Zentralplatz gelegen sind. In den alten Zeiten wechselte die launische Weichsel, damals noch ohne Schutzdämme, oft ihr Bett. Im 18. Jh. floss die Weichsel die Böschung entlang, auf der Nowa Huta gebaut wurde. Die erwähnten Wiesen sind ein Relikt dieses Flussaltwassers. In den 50-er Jahren war hier ein Park mit einem 2 km2 großen See geplant. Als von der Idee abgegangen wurde, ist das Gebiet zu einem Paradies für 370 Pflanzenarten sowie 69 Vogelarten, darunter viele solcher geworden, die in das Rotbuch der bedrohten Arten eingetragen sind. Wegen seiner ungewöhnlichen Naturqualitäten, die den bedeutendsten Naturschutzgebieten Polens in nichts nachstehen, wurde das Gebiet durch eine Entscheidung des Stadtrats als ökologisch wertvoll anerkannt. Um dieses Gelände noch besser für Zwecke der ökologischen Bildung zu erschleißen, ist geplant, hier in Zukunft einen "Weichsel- Altwasserpark" anzulegen.
Plac Centralny (Zentralplatz)Der Zentralplatz in Nowa Huta sowie seine Umgebung sind eine eigenartige Präsentation der polnischen Architekturgeschichte des letzten halben Jahrhunderts. Denn hier, auf einer relativ kleinen Fläche, sind Gebäude vorzufinden, die sämtliche Baustile der Nachkriegszeit vertreten und von bedeutenden polnischen Architekten (wie u.a.: Boles³aw Skrzybalski, Janusz und Marta Ingarden, Adam Fo³tyn, Tadeusz Janowski, Tadeusz Rembiesa, Stanis³aw Jachnowicz, Romuald Loegler) geplant wurden. Angesichts eines potentiellen Angriffs der NATO-Staaten wurde Nowa Huta in der stalinistischen Zeit nach dem Vorbild einer Festung gebaut. Die einzelnen Häuserblöcke erinnern an mittelalterliche Festungen mit einem ganzen System von Durchgängen und Schutzvorrichtungen. Für einen Fremden ist Nowa Huta ein unergründliches Labyrinth (selbst die Siedlungseingänge sind hinter Mauervorsprüngen versteckt und bleiben von der Seite aus unsichtbar). Dieser Wehrcharakter der Stadt hat den Miliztruppen zu schaffen gemacht, die sich in den 80-er Jahren, in der Zeit des in Polen verhängten Kriegszustands, bemühten, hier staatsfeindliche Demonstrationen auseinanderzutreiben. Weitere Gebäude stellen die sog. Punkthochhäuser aus den 60-er Jahren im Bereich des Centrums D (Arch. Janusz Ingarden) dar. Sie wurden "Schweden" genannt, weil sie Bauwerke zum Vorbild hatten, die zu damaliger Zeit bei Stockholm gebaut wurden. Aus der Gierek-Ära (70-er Jahre) stammt das Kulturzentrum von Nowa Huta; es war die Zeit, in der - der offiziellen Propaganda zufolge - "Polen immer mächtiger wurde und die Menschen in einem immer größeren Wohlstand leben sollten". Allerdings dauerte wegen der damaligen Wirtschaftskrise der Bau des Kulturzentrums ganze 10 Jahre. Zu Beginn der 70-er Jahre begann in den westlichen Ländern die Abkehr vom Modernismus, einem Baustil, der in Polen zu einer entsetzlichen Anhäufung von Plattenbausiedlungen geführt hat. Eine langsame Rückkehr zu den historischen Baustilen begann. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass die von uns so scharf verurteilte Architektur des sozialistischen Realismus in Bezug auf jene des Westens bahnbrechend wurde. Dieser neue Stil - der Postmodernismus - kam in Nowa Huta mit der Siedlung Centrum E zur Geltung, die in den 80-er Jahren erbaut wurde (Arch. Romuald Loegler). Sofort lässt sich erkennen, dass dieser Baustil der stalinistischen Architektur näher steht als den Wohnblöcken aus den späteren Jahren. Aleja Ró¿ (Rosenallee) Ursprünglich sollte sie zu einer Straße, vielmehr einer Art Promenade werden, die den Kreisverkehr des Zentralplatzes mit dem geplanten Hauptforum von Nowa Huta, dem Rathausplatz verbinden sollte. Der Letztere wurde jedoch nicht gebaut und die Rosenallee ist zu einer für den sozialistischen Städtebau typischen Straße geworden, die nach nirgendwohin führt. Optisch wird sie von einer Seite durch die Anhöhe Wzgórza Krzes³awickie, von der anderen durch die Beskiden abgeschlossen. Am 20. April 1970 wurde der Grundstein für ein neues Denkmal in der Rosenallee gelegt. Danach wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den der Krakauer Bildhauer Marian Konieczny gewann. Am 17. April 1973 erreichte das aus 74 Elementen bestehende und 7 Tonnen schwere Denkmal Lenins seinen Bestimmungsort, und elf Tage später wurde es enthüllt. Dieser Ort wurde von nun an von jedem offiziellen Besuch aufgesucht, sogar Brautpaare haben hier ihre Blumen niedergelegt. Am 18. April 1979 wurde die Rosenallee von einer mächtigen Explosion erschüttert: Irgendjemand hatte eine Bombe unter Lenins Füße gelegt, doch riss die Ladung diesem nur eine Ferse weg. Letztendlich wurde das Monument am 10. Dezember 1989 demontiert und nach Wróblowice in einen südlichen Vorort Krakaus gebracht, wo es in einem alten Festungswerk noch bis 1992 Platz fand, bis es dann der exzentrische schwedische Millionär Big Bengt Erlandsson für 100.000 schwedische Kronen erwarb und mit nach Schweden nahm. Heute kann das Lenin-Denkmal im Park der Raritäten "Halltjaparal" bei Stockholm bewundert werden. Das Kreuz von Nowa Huta Seinerzeit wurde das Gebiet der heutigen Siedlung Osiedle Teatralne "Taiwan" genannt, weil mit ihrer Errichtung weit weg von der bestehenden Bebauung begonnen wurde. Ende der 50-er/Anfang der 60-er Jahre blieb hier noch reichlich Platz für Bauobjekte, die im Bereich anderer Siedlungen nicht unterzubringen waren. Aus dieser Zeit stammen das Kino "¦wit" und das Volkstheater. Nach 1956 hatten die Behörden zunächst dem Bau einer Kirche zugestimmt, dann jedoch ihre Entscheidung rückgängig gemacht und angeordnet, an der Stelle der Kirche eine Schule zu errichten. Dies war am 27. April 1960 der Anlass zum Ausbruch von Unruhen, die als Kampf um das Kreuz von Nowa Huta bekannt geworden sind. Die Konfrontation des gesellschaftlichen Protestes mit den Entscheidungen der Behörden erwies sich als heftig und blutig. Unbekannt ist, wie viele Teilnehmer der Demonstration verletzt wurden. Wenn sich jedoch die Verluste bei der Miliz auf 200 Verletzte (darunter 15 schwer) beliefen, dann muss es unter der Zivilbevölkerung 3- bis 4-mal mehr Verletzte gegeben haben. Im Jahre 2001 wurde neben dem historischen Kreuz von Nowa Huta die kleine Heilig Herz-Jesu-Kirche (in der ul. Lud¼mierska 2) errichtet, ein Werk der Krakauer Architekten Krzysztof Ingarden und Przemys³aw Gawor. Die an Stelle der ursprünglich geplanten Kirche erbaute Schule, die so genannte "Millenniumsschule" (Siedlung Osiedle Teatralne Nr. 35), liefert ein gutes Beispiel für die Architektur des Modernismus, wobei ihr Schöpfer, Józef Go³±b, als einer der bedeutendsten polnischen Architekten des Zeitraums Ende der 50-er, Anfang der 60-er Jahre gilt. Teatr Ludowy (Volkstheater) Viele Jahre lang herrschte die Auffassung, Nowa Huta sei für zwei Dinge, guten Stahl und ein gutes Theater, berühmt. Die Anfänge des Theaters in Nowa Huta gehen auf die Tätigkeit der Bühne "Nurt" ("Die Strömung") zurück. Sie wurde 1952 auf Anstoß einer Amateurgruppe gegründet, die Jan Kurczab, ein sozial gesinnter Aktivist und Publizist, leitete. Im Übrigen gab es Amateur-Theatergruppen an den hiesigen Betrieben. Eine von ihnen, am Kfz-Park in Bieñczyce, leitete Piotr Skrzynecki, der später den berühmten Krakauer Künstlerkeller "Piwnica pod Baranami" gründete. Als den Behörden klar wurde, dass sie bei der Planung von Nowa Huta die Kultureinrichtungen außer Acht gelassen hatten (und dies wurde jedem bewusst, nachdem die Dichtung "Das Poem für Erwachsene" von Adam Wa¿yk kurz nach Stalins Tod veröffentlicht wurde), trafen sie die Entscheidung über den sofortigen Bau von 20 Kinos und 2 Theatern. Zur Errichtung des Haupttheaters am Zentralplatz ist es jedoch nicht gekommen; es entstand lediglich eine Kammerbühne, das heutige Volkstheater (Siedlung Osiedle Teatralne 34) nach einem Entwurf von Jan D±browski und Janusz Ingarden. Seine Tätigkeit begann das Volkstheater am 3. Dezember 1955 mit der Aufführung des historischen Bühnenwerkes "Die Krakauer und die Goralen" von Wojciech Bogus³awski. Diese Wahl war kein Zufall - die Handlung des Dramas spielt sich im nahe gelegenen Kloster in Mogi³a ab. Zur Erinnerung an diese Premiere sowie zur Würdigung der Person von Bogus³awski wurden die Siedlungen jenseits der Straße (dem Theater gegenüber) auf die Namen "Krakauer" und "Goralen" getauft. Am Volkstheater in Nowa Huta waren viele bedeutende Schauspieler und Regisseure, wie u.a. Krystyna Skuszanka und Józef Szajna, tätig. Wegen der spezifischen Situation dieses Stadtteils, der als ein für Theater schwieriges Gebiet galt (unbewandertes Publikum), kamen nach Nowa Huta auch Künstler, die sich mit ihren avantgardistischen Ideen sonst nirgends durchsetzen konnten. Neulich ist es um das Volkstheater in Nowa Huta dank der kühnen sozialen Experimente von Jerzy Fedorowicz wieder laut geworden: Bei der Inszenierung von Shakespeares "Romeo und Julia" nahmen einheimische Jugendliche - Skins und Punker - teil. Der Konflikt der zerstrittenen Geschlechter wurde von ihnen sehr überzeugend dargestellt, und der künstlerische und moralische Wert des Vorhabens sorgte allgemein für Anerkennung. "Arche des Herrn" - Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen Die Entstehung dieser Kirche ist in erster Linie zwei Menschen zu verdanken: dem späteren Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., damals Krakauer Erzbischof, sowie dem durch ihn 1965 zum Pfarrer der Gemeinde von Bieñczyce ernannten Priester Józef Gorzelany. Die beiden strebten, indem sie allerlei Hindernisse zu bewältigen hatten, beharrlich die Fertigstellung der Kirche an, bis sie diese endlich am 15. Mai 1977 glücklich konsekrieren konnten. Es ist eine Kirche von ungewöhnlicher Gestalt. Der Krakauer Architekt Wojciech Pietrzyk hat das Gotteshaus in Form der Arche Noah entworfen, die auf dem Berg Ararat gestrandet ist. Für die Menschen, welche die schwierigen kommunistischen Zeiten überstehen wollten, war dies eine sehr deutliche Metapher. Der 70 Meter hohe Mast in Form eines Kreuzes mit Krone wurde zuletzt aufgestellt, weil die Behörden nicht wünschten, dass ein christliches Symbol die umliegenden Wohnblöcke überragt. Der Bau der "Arche" wurde zum Symbol der Einheit der gesamten christlichen Welt. Papst Paul VI. schickte aus dem Vatikan einen Stein vom Grabe Petri als Grundstein zur neuen Kirche. Christen aus den Niederlanden schenkten 7 Glocken und der Wiener Kardinal König verchromtes Blech für den Mast in Form eines Kreuzes. Der Hauptaltar wurde in Carrara-Marmor ausgeführt, dem gleichen Material, das seinerzeit Michelangelo in Rom verwendet hatte. Der Rutilkristall im Tabernakel wurde von der Besatzung des Raumschiffes Apollo-11 vom Mond mitgebracht. Nicht weniger interessant ist die übrige Kirchenausstattung. Die expressive Figur Christi seitlich im Hauptschiff ist ein Werk des Krakauer Bildhauers Bronis³aw Chromy; entgegen der Konvention ist hier der Erlöser nicht gekreuzigt, sondern macht den Eindruck, hinaufsteigen zu wollen. In der unterirdischen Versöhnungskapelle sind mehrere Pietas von Antoni Rz±sa, einem Bildhauer aus Zakopane zu sehen. An der Arche des Herrn kam es in der Zeit des Kriegszustands zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen der örtlichen Bevölkerung und den Milizkräften. Meist ereigneten sich diese nach den heiligen Messen, die für die Befreiung Polens von totalitärer Unterdrückung gelesen wurden. An diese Zeiten erinnert ein kleines Denkmal, das den Opfern des Kriegszustands gewidmet ist und das sich an dem Ort befindet, an dem ein Agent des Sicherheitsdienstes den Hüttenarbeiter Bogus³aw W³osik erschossen hatte. Nowa Huta Nowa Huta ist eine interessant geplante Stadt. Die ältesten Siedlungen (Wandy, Willowe, Krakowiaków) wurden noch nach Plänen aus der Vorkriegszeit erbaut, die späteren sind das Werk führender polnischer Architekten. Es fehlte nicht an Talent, Geld und solider Arbeit, um dieser Architektur ein hohes Niveau zu verleihen. Unabhängig davon, welchen Verlauf die weitere Geschichte von Nowa Huta nimmt, wird es für immer eine Legende bleiben. Sein Zentrum wurde in das Denkmalsregister eingetragen. Gegenwärtig wartet Nowa Huta auf neue Herausforderungen. Konzerte in den stillgelegten Hallen der Stahlhütte im Rahmen des Festivals "Sacrum - Profanum", die Schaffung von ökologisch wertvollen Gebieten, das Ausweisen von Radwegen oder die Gründung einer Filiale in Nowa Huta (in der Siedlung Osiedle S³oneczne) durch das Historische Museum der Stadt Krakau sind erst der Anfang, diesen Stadtteil für Touristen zu erschließen. Sein kultureller und natürlicher Reichtum, der früher im Schatten der Industrieproduktion der Stahlhütte verborgen geblieben war, sorgt für immer größeres Interesse im In- und Ausland. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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