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| TouristikDer Stadtteil KazimierzEin Besuch des Stadtteils Kazimierz steht obligatorisch auf dem Programm eines Krakau-Besuchs. Die gemütlichen kleinen Cafés, Galerien und Antiquitätenläden, die gepflasterten Gassen mit vornehmen Hotels, der Glitter und gleichzeitig das bezaubernd Provinzlerische - all das wirkt auf Touristen wie ein Magnet. Jeder Krakau-Besucher träumt von einem Spaziergang durch die schmalen Gassen von Kazimierz, um unter anderem die Synagogen und jüdischen Friedhöfe aufzusuchen und in geschmackvoll eingerichteten Gartencafés zu verweilen. Obwohl Kazimierz immer noch renoviert wird, ist dieser Stadtteil schon jetzt zu einer Konkurrenz für den Krakauer Hauptmarkt und die anliegenden Straßen geworden. Kein Zweifel, dass Kazimierz eine der größten Attraktionen der alten Stadt Krakau darstellt. Dank des Einsatzes der Stadtbehörde einerseits und einer Gruppe von Enthusiasten andererseits findet hier das Festival der Jüdischen Kultur statt - eine alljährliche Veranstaltung, die sich der Anerkennung nicht nur der Krakauer, sondern auch des Publikums aus dem In- und Ausland erfreut. Jedes Jahr ist hier in der Zeit des Festivals ein mehrsprachiges Stimmengewirr zu hören, jüdische Klezmermusik erfüllt die Gassen und abends wird in Freiluftkonzerten gemeinsam getanzt und gesungen. Das Krakauer Kazimierz zieht einen in seinen Bann... Den Besuchern von Kazimierz stehen zwei Touristenrouten zur Verfügung. Eine von ihnen ist ein Teil der HL.-STANISLAUSROUTE und führt vom Wawel-Hügel über Ska³ka und die St.-Katharinenkirche bis zum Wolnica-Platz. Diese Route ist den Denkmälern und dem kulturellen Reichtum des christlichen Teils von Kazimierz gewidmet. Die andere - die ROUTE DER JÜDISCHEN KULTUR - führt durch die Straßen der alten jüdischen Stadt; sie beginnt am Zentrum der Jüdischen Kultur in der ul. Meiselsa 17 und endet auf dem Neuen Jüdischen Friedhof an der ul. Miodowa 55. Zwei Städte aus der Chronik von Hartmann Schedel Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren die Krakauer Bürger die Anführer einer mächtigen Rebellion, die gegen den damaligen Herrscher Ladislaus Ellenlang gerichtet war. Um künftig ähnliche Überraschungen zu vermeiden, gründete 1335 Ellenlangs Nachfolger, König Kasimir der Große, in einer geräumigen Weichselbiegung eine separate Stadt, die im Laufe der Zeit die Funktionen der Hauptstadt übernehmen sollte. So entstand der heutige Stadtteil Kazimierz. Eben an dieser Stelle wurde die Krakauer Akademie gegründet, eine Universität, die später im mittelalterlichen Europa große Berühmtheit erlangen sollte. Hier wurden stattliche Kirchen erbaut, die mit ihrer prächtigen Einrichtung bis heute bewundert werden. Mit der Zeit ließ jedoch der Zorn des Herrschers auf Krakau nach, zum anderen stellte sich heraus, dass ein erheblicher Teil des Gebiets von Kazimierz durch Hochwasser gefährdet ist, was für die Entwicklung der Stadt ungünstig war und ihren weiteren Ausbau stocken ließ. Obwohl sich die Stadt beim ersten Anblick in der Weltchronik des Hartmann Schedel aus dem Jahre 1493 ähnlich prachtvoll wie Krakau präsentiert, war sie in Wirklichkeit viel bescheidener. Kazimierz wurde nicht zu Ende gebaut und blieb, wenn man es recht betrachtet, wenig attraktiv. Paradoxerweise hat gerade dies zu seinem heutigen Ruhm beigetragen: Als 1495 den Juden verboten wurde, im Stadtgebiet von Krakau zu wohnen, konnten sie sich in Kazimierz ungehindert niederlassen und besiedelten so einen beträchtlichen Teil dieser Stadt (etwa 1/5 seiner Fläche). Auf diese Weise entstand die einzige Stadt in der damaligen Welt, die durch Juden regiert wurde, nur und alleine dem König untertan war, über ihre eigene Selbstverwaltung verfügte und mit einer Mauer umschlossen war. Jahrhunderte lang blieb Kazimierz eine Stadt für sich und wurde erst gegen Ende des 18. Jh. an Krakau angeschlossen. Später ordneten die Österreicher den Abbruch der Mauer um die jüdische Stadt an und erlaubten den Juden, sich im gesamten Gebiet von Kazimierz, später auch in Krakau, niederzulassen. Bald zogen alle wohlhabenderen Juden ins Stadtzentrum um, vor Ort blieben nur die Armen, die später das Stadtbild prägten. Nicht weniger interessant entwickelte sich der christliche Teil von Kazimierz. Schon in der Zeit des Mittelalters und der Renaissance entstanden hier zahlreiche Werkstätten, wobei die Handwerker niedrigere Mieten als in Krakau zu zahlen hatten. Hier wirkte u.a. Bartolomeo Berrecci mit, der Schöpfer der Sigismundkapelle an der Wawelkathedrale sowie des prächtigen Arkadenhofs auf dem Wawelschloss. Im 17. Jahrhundert brach die Konjunktur zusammen. Zur Hauptstadt wurde Warschau, wodurch Krakau die lukrativen Aufträge des Königshofs verlor. Besonders schmerzhaft traf es dabei die Handwerker von Kazimierz. Später folgten die Schwedenkriege. Fremde Truppen durchzogen das polnische Territorium, wobei beide Kriegsparteien den verarmten Bürgern Kontributionen auferlegten. Als der Staat zusammenbrach und die Zeit der Teilung Polens kam, wurde Kazimierz mitsamt der ganzen Region ein Teil der österreichischen Monarchie. Von nun an war es ein provinzieller, heruntergekommener Vorort Krakaus, der an seinem schweren galizischen Geschick litt. Nach der kurzen Freiheitsperiode in den 20-er und 30-er Jahren des 20. Jh. kam die deutsche Besatzung mit der Tragödie des Holocausts. Das jüdische Gebiet von Kazimierz verödete. Seine Bewohner kamen in den deutschen Konzentrationslagern von P³aszów und Auschwitz ums Leben. Es begann die traurigste Periode in der Geschichte des Stadtteils. Zwar wurden die Gebäude von Kazimierz im Krieg nicht zerstört, doch hat die Stadt eine schmerzhafte Wunde erlitten: Sie verlor diejenigen, die seit Generationen ihr Teil gewesen waren und sie liebten. Heute ist Kazimierz wieder, wie vor Jahrhunderten, ein Treffpunkt verschiedener Kulturen und Völker. Die Krakauer haben beschlossen, diesen Ort der Geschichte ihrer Stadt sowie des nationalen und europäischen Erbes zu erhalten. Schwung und Sorgfalt bei der Wiederherstellung des Glanzes von Kazimierz tragen dazu bei, dass der Stadtteil von Menschen aus der ganzen Welt besucht wird. Es scheint, als würde Kazimierz nicht unter Kasimir dem Großen und auch nicht unter der großzügigen Herrschaft der Jagiellonen, sondern gerade jetzt seine Blütezeit erleben. Nie zuvor stand es um Kazimierz so gut und nie zuvor wurde diese Stadt von so vielen bewundert. Stradom Neben einer befestigten Stadt auf einer Flussinsel umfasste das alte Kazimierz weiträumige Vororte auf beiden Weichselufern. Einer seiner Teile war Stradom, dem Stadtgebiet Krakaus am nächsten, direkt unter dem Wawelschloss am Ende der Grodzka-Straße gelegen. An Stradom erinnert die gleichnamige Straße, die seinerzeit zur Königsbrücke führte. An der ul. Stradom, die etwa 200 Meter lang ist, befanden sich nicht weniger als 5 große Klöster, was nahe legt, dass dieses Gebiet früher nicht übermäßig dicht bebaut war. Das erste der Klöster, direkt am Wawelhügel gelegen, gehört nach wie vor dem Bernhardinerorden. Die Bernhardinerkirche (in der ul. Bernardyñska 2) wurde noch im Mittelalter erbaut und - nach der Zerstörung während der schwedischen "Sintflut" - in den 70-er Jahren des 17. Jh. im neuen Stil (möglicherweise nach den Plänen von K. Mieroszewski) wieder aufgebaut. Die Kirche zeichnet sich durch ihre prächtige barocke Ausstattung mit riesengroßen Gemälden aus, die an die Malerei von Rubens anknüpfen und von dem im 17. Jahrhundert hoch angesehenen Maler Franciszek Lekszycki geschaffen wurden. Hier befindet sich auch die barocke confessio des seligen Szymon von Lipnica (gest. 1482). Eine weitere Kirche, die Missionarskirche (in der ul. Stradom 4-8) aus dem Jahre 1732, liefert ein herrliches Beispiel für die Einflüsse der römischen Barockarchitektur in Polen. Der Schöpfer der Kirche, Kasper Ba¿anka, nahm sich die Werke von Bernini und Borromini zum Vorbild. Neben der Kirche macht hier der dahinter gelegene Klostergarten, der weiträumigste aller Gärten im Zentrum Krakaus, auf sich aufmerksam. Vom dritten Kloster, das dem Orden des Grabes Christi gehörte (ul. Stradom 12-14), sind nur Fragmente erhalten geblieben, weil es die Österreicher im 19. Jh. zur Kommandantur der Festung Krakau umbauten. Heute ist es ein gewöhnliches Wohngebäude, doch gegenüber befindet sich eine historische Stätte: Hier, im damaligen "Hotel zur Weißen Rose" (ul. Stradom 13), machte einst der berühmte französische Schriftsteller Honoré Balzac Station. Auch das Kloster der Bernhardinernonnen der Hl. Colette, genannt "Koletki", hat nicht überdauert. Geblieben sind lediglich der Straßenname ("Koletek") und ein Gebäude, das gegenwärtig anderen Zwecken dient. Doch schon ein paar Schritte weiter steht die St.-Agneskirche (ul. Dietla 30) mit erhaltenen Gebäuden des ehemaligen Bernhardinerinnenklosters. Im 17. Jh. überfiel der junge Magnat Aleksander Koniecpolski mit seinen Leuten das Kloster und entführte eine Nonne, um diese zur Heirat zu zwingen. Letztendlich wurde die Sache gütlich geregelt und das Geschlecht Koniecpolski erbaute für die Nonnen in der ul. Poselska, innerhalb der Stadtmauern, ein zweites Kloster. Heute ist die St.-Agneskirche die Garnisonskirche, wo sich die Ruhestätte von Józef Haller, einem bedeutenden General aus dem 1. Weltkrieg, befindet, dessen sterblichen Überreste 1993 aus England überführt wurden. Ska³ka
Obwohl Kazimierz hauptsächlich für sein jüdisches Viertel bekannt ist, kann sich sein christlicher, viermal so großer Teil ebenfalls unschätzbarer Denkmäler rühmen. Seit dem Mittelalter wurden hier prächtige, weltliche und kirchliche Gebäude errichtet, von denen sich viele bis heute in einem ausgezeichneten Zustand befinden.
Zu den bekanntesten unter ihnen gehört die Kirche der PP. Pauliner in Ska³ka (ul. Ska³eczna 12), dem - neben dem Tschenstochauer Klarenberg - bedeutendsten polnischen Wallfahrtsort, gewidmet dem hl. Stanislaus, dem Schutzheiligen des Landes. Laut der Chronik von Wincenty Kad³ubek aus dem 13. Jahrhundert soll eben hier das ursprüngliche Krakau gelegen haben, das später durch keinen anderen als Alexander von Makedonien zerstört worden sein soll! Derselbe Chronist hat über die Ermordung des hl. Stanislaus durch den polnischen König Boleslaus den Wagemutigen berichtet. Der Mord soll hier, in der Kirche von Ska³ka, während der heiligen Messe im Jahre 1079 verübt worden sein. Bald wurde der Hügel zum Zentrum des Kults um Bischof Stanislaus. Die hier errichtete, prächtige St.-Michael-und-St.-Stanislaus-Kirche wurde später mehrmals umgebaut. Die heutige Kirche stammt aus der Zeit des Barocks und ist ein Werk von Anton Müntzer und Antonio Solari. Der alte Weiher, in den die Leiche des hl. Stanislaus geworfen worden sein soll, ist erhalten geblieben. Im 17. Jahrhundert wurde der Weiher in einen kunstvollen Brunnenring eingefasst und mit einer Statue verziert. In der Krypta ist 1880 ein Pantheon für hervorragende Polen eingerichtet worden. Hier ruhen der Chronist Jan D³ugosz, die Schriftsteller Józef Kraszewski, Wincenty Pol, Teofil Lenartowicz, Adam Asnyk, Lucjan Siemieñski, Stanis³aw Wyspiañski, Czes³aw Mi³osz, der Komponist Karol Szymanowski, der Schauspieler Ludwik Solski, der Astronom Tadeusz Banachiewicz sowie die Maler Henryk Siemiradzki und Jacek Malczewski. Die Grabstätte betreut der Paulinerorden. Der Klostergarten ist mit einem Teil der alten Wehrmauern von Kazimierz umgeben. In direkter Nachbarschaft von Ska³ka befindet sich eine weitere Kirche, der Stolz dieses Stadtteils - die St.-Katharinenkirche (ul. Augustiañska 7) aus den 40-er Jahren des 14. Jh., ein herrliches Beispiel für den städtebaulichen Schwung aus der Zeit der Stadtgründung. Der Sage nach soll sie eine Votivkirche sein, die auf die Ermordung des Kanonikers Baryczka zurückgeht. In einem Augenblick des Jähzorns ließ König Kasimir der Große diesen in einen Sack einnähen und in der Weichsel ertränken. Später beschloss der Herrscher reumütig, seine Tat mit dieser angemessen großzügigen Stiftung zu sühnen. Bis heute ist die St.-Katharinenkirche für ihre zahlreichen wertvollen Kunstschätze berühmt, auch die Architektur als solche ist sehenswert. Der Innenraum steht stellvertretend für die reine Krakauer Gotik, wenn man vom prächtigen manieristischen Hauptaltar aus dem Jahre 1634, dem neugotischen Gestühl sowie dem barocken Gemäldezyklus mit der Augustinusvita absieht. Sehenswert sind darüber hinaus das manieristische Grabmal von Spytek Jordan (gest. 1568) sowie das Mausoleum des seligen Isaias Boner (gest. 1471), eines hiesigen Ordensbruders. Wolnica-Platz
Der prachtvolle Platz ist das Relikt des alten Marktplatzes von Kazimierz. Obwohl auch heute von imposanter Größe, war der Platz in der Vergangenheit viermal so groß, mit dem Rathaus in der Mitte. Die für die Zeit der Renaissance typische Silhouette des Rathauses wurde durch den Anbau eines Schulgebäudes im 19. Jh. gestört. Heute ist das Bauwerk der Sitz des Ethnografischen Museums. Der Name Wolnica ist auf einen altpolnischen Begriff zurückzuführen, der das Privileg eines freien Fleischverkaufs (d.h. außerhalb der Metzgereien von Kazimierz) an bestimmten Wochentagen bedeutete. Doch nicht nur für den Handel war dieser Ort berühmt. An einem hiesigen Gebäude ist eine Tafel mit der Aufschrift angebracht, dass hier ursprünglich die Krakauer Akademie, Vorgängerin der Jagiellonen-Universität, ihren Sitz hatte. Die alten Chroniken belegen, dass König Kasimir der Große hier die Hochschule angesiedelt hatte, um seine Stadt an Ansehen gewinnen zu lassen sowie ihre Konkurrenzfähigkeit Krakau gegenüber zu steigern. Erst später wurde die Universität auf Veranlassung der Königin Jadwiga in die Nähe des Krakauer Marktes, in die St.-Annengasse, verlegt, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Fronleichnamskirche
In der Nachbarschaft des Wolnica-Platzes erhebt sich eines der schönsten gotischen Gotteshäuser der Stadt - die Fronleichnamskirche (ul. Bo¿ego Cia³a 25). Ihr Name knüpft an die Geschichte einer Monstranz an, die vor langer Zeit aus der Krakauer Allerheiligenkirche gestohlen wurde. Der Sage nach sollen sie die Diebe, als sie erfuhren, dass sie nicht aus Gold ist, eben an diesem Ort zurückgelassen haben. Es wurde beschlossen, den glücklichen Ausgang dieser Geschichte mit einem angemessen prachtvollen Bauwerk zu würdigen. Die 1340 durch König Kasimir den Großen in Auftrag gegebenen Bauarbeiten dauerten bis 1405, als die aus Glatz herbeigeholten Regularkanoniker vom Lateran die Kirche mitsamt dem Kloster übernahmen.Sowohl die Architektur als auch die Ausstattung der Kirche stehen der berühmten Marienbasilika vom Krakauer Hauptarkt kaum nach. Die gotischen Mauern stehen im Kontrast zu den prächtig vergoldeten Altären aus der Barockzeit, die jede Säule des Gotteshauses schmücken. Der monumentale Hauptaltar aus der 1. Hälfte des 17. Jh., das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl von 1632, das Renaissance-Mausoleum des seligen Jan Kazimierczyk (gest. 1489) mit Votivgemälden, die von seinen Wundern erzählen - all das vermittelt einen ungewöhnlichen Eindruck. An den hier bestatteten Bartolomeo Berrecci (gest. 1537), der sich um die Architektur des Wawel so sehr verdient gemacht hat, erinnern die Renaissance-Rahmen der Wandaltäre in den Seitenschiffen. Hinter der Kirche befinden sich die Klostergebäude der Regularkanoniker vom Lateran, die alte Klosterschule sowie ein Garten mit einer Laube aus dem 17. Jahrhundert. Eine Besonderheit sind Spuren von Öffnungen, durch die seinerzeit den Aussätzigen das Essen gereicht wurde. Die Józefa-Straße
Diese Straße, früher Jüdische Straße genannt, trägt heute den Namen, den ihr die Österreicher zu Ehren ihres Kaisers Josefs II. verliehen haben. Dieser Herrscher, der nach der ersten Teilung Polens den Stadtteil Kazimierz von Krakau abtrennte, wohnte am Anfang dieser Straße, im Palast Wojewodziñski (ul. Krakowska 20).Heute ist die Józefa-Straße für ihre künstlerische Atmosphäre bekannt. Hier befinden sich zahlreiche Galerien alter und zeitgenössischer Kunst sowie Antiquariate und Andenkenläden. Hier steht auch eine Synagoge aus dem 16. Jh., die Hohe Synagoge (ul. Józefa 38). Das 1556-1563 erbaute Gebäude verdankt seinen Namen dem Gebetsraum, der sich im ersten Stock befindet. Von seiner reichen Einrichtung ist nichts erhalten geblieben. Die Synagoge wurde während der schwedischen "Sintflut" und erneut im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, nach dem Kriege waren hier Werkstätten für die Denkmalpflege untergebracht. Die Szeroka-Straße (Breite Straße) Die meisten der jüdischen Synagogen sind um die Szeroka-Straße entstanden. Seinerzeit war diese Straße der Hauptplatz der jüdischen Stadt, und das Leben dieses Viertels konzentrierte sich um die Alte Synagoge (ul. Szeroka 24), das älteste erhaltene Bauwerk dieser Art in Polen, dessen Anfänge auf das Jahr 1407 zurückgehen.
In seiner heutigen Gestalt stammt das Bauwerk aus den 70-er Jahren des 16. Jahrhunderts und ist das Werk von Matteo Gucci. Massive, zum Teil im Boden versunkene Mauern sowie auf zwei Säulen gestützte Rippengewölbe vermitteln den Eindruck, dass es sich hier um eine gotische Festung und nicht um ein Werk der Renaissance handelt. Vermutlich ist diese Form darauf zurückzuführen, dass die Synagoge an die Stadtmauern angrenzte und die Funktion eines besonderen Bollwerks erfüllte. Gegenwärtig ist hier das Museum der Judaistik (Filiale des Historischen Museums der Stadt Krakau) untergebracht, in dem zahlreiche Andenken an die Juden ausgestellt sind, die früher in Krakau lebten: Kult- und Gebrauchsgegenstände, Kleider, Urkunden sowie Fotografien und Bilder. Nebenan steht die Synagoge Auf'n Bergel (ul. Szeroka 22), die in den alten Zeiten Sitz von Kabbalisten, Bekennern der esoterischen Strömung des Judaismus, war. Heute dient die Synagoge als Wohngebäude. Die einzige Spur ihres früheren Charakters ist ein im Obergeschoss leuchtendes Lämpchen - ein Symbol des Gedenkens an den Rabbiner Natan Spira (gest. 1633) und eine Geste der Verehrung seiner Person. Der Sage nach studierte der Rabbiner die Kabbala bis tief in die Nacht hinein und die Kerze in seinem Zimmer war das einzige Licht, das die Finsternis von Kazimierz durchdrang. Die 1620 erbaute Popper-Synagoge (ul. Szeroka 16) wurde von dem bekannten Bankier Wolf Popper gestiftet. Heute ist hier das Altstädtische Kulturzentrum untergebracht. Ihre sakrale Funktion hat dagegen die Remuh-Synagoge (ul. Szeroka 40) bis heute bewahrt, die 1556 für den berühmten Thora-Deuter, Moses Isserles (genannt Rabbi Moses-Remuh) durch seinen Vater, den Bankier und Philanthropen Isserl ben Josef erbaut wurde. Heute ist sie das einzige Gebetshaus, das in der Szeroka-Straße in Betrieb ist. Moses Isserles(1520-1570), genannt Remuh, war bedeutender Gelehrter, Rabbiner Krakaus und Rektor der hiesigen Jeshiva (talmudische Akademie). Er wurde für sein Werk Mappa (Tischdecke) berühmt, in dem er die Gesetze der Askenase-Juden kodifizierte. Auf seinem Grab befindet sich folgende Aufschrift: "Ein großer Gelehrter, das Licht des Westens, der größte Gaon der Generation... Von Moses bis Moses hat´s keinen gegeben, der dem Moses von Israel ebenbürtig wäre". Hinter der Synagoge ist ein prächtiger Kirkut, ein jüdischer Friedhof, gelegen, der zu den ältesten Friedhöfen dieser Art in Europa zählt. Obwohl im 2. Weltkrieg von den Nazis verwüstet, ist der Friedhof wegen zahlreicher Grabmäler aus dem 16., 17. und 18. Jh. sehenswert. Als erste wurden hier die Opfer einer Pestseuche von 1551 bestattet. Später übernahm der Friedhof die Funktion der Nekropole für die gesamte jüdische Stadt, die er bis zum Jahr 1800 erfüllte. Trotz mehrmaliger Erweiterung war er immer zu klein und seiner Vergrößerung stand die nahe gelegene Stadtmauer im Wege. Wenn es keinen Platz mehr gab, schütteten die Juden eine weitere Erdschicht auf und stellten die neuen Grabmäler auf die alten. Als nach dem Kriege mit der Restaurierung der Nekropole begonnen wurde, sind dank dieser Tatsache sogar noch erhaltene Grabsteine aus der Zeit der Renaissance ausgegraben worden. Glücklicherweise haben den Krieg auch die Gräber der Familie Remuh sowie andere wertvolle Matzevas (Grabstelen) überstanden. Von den bedeutenden Persönlichkeiten der jüdischen Welt ruhen hier die schon erwähnten Moses Isserles genannt Remuh, Natan Spira, Wolf Popper mitsamt der Mitglieder ihrer Familien sowie Vertreter der verdienten Familien Landau, Jakubowicz oder Meisels. Nowy-Platz Von der Szeroka-Straße aus ist über die Ciemna-Straße [Finstere Straße] (wo die Beleuchtung erst in den 90-er Jahren installiert wurde) der Nowy Plac ¯ydowski [der Neue Jüdische Platz] zu erreichen. Unterwegs kommt man, schon hinter dem Friedhof, an der prachtvollen Isaak-Synagoge, der größten in Kazimierz, vorbei (ul. Jakuba 25). Sie wurde 1638 vom Bankier des Königs Wladislaw IV. Vasa, Isaak (Ajzyk) Jekeles, gestiftet. Auch hier ist durch die nationalsozialistische Besatzung nichts von der alten Ausstattung erhalten geblieben, es ist aber in der letzten Zeit gelungen, unter dem Putz historische Gemälde aus dem 17. Jahrhundert freizudecken. Heute gibt es hier eine Ausstellung, die der Geschichte von Kazimierz aus der Vorkriegs- und Besatzungszeit gewidmet ist. Nicht weit entfernt erheben sich zwei weitere Synagogen. Die eine, an der ul. Warszauera 8, trägt den Namen Kupa (Kasse), weil sie in den 40-er Jahren des 17. Jh. mit dem Geld aus der Kahal-Kasse finanziert wurde; sie macht einen äußerst schlichten Eindruck, im Inneren sind jedoch interessante Wandmalereien erhalten geblieben. In ihrer Nachbarschaft sind Reste der mittelalterlichen Wehrmauern von Kazimierz erhalten. Die andere Synagoge ist die sogenannte Tempel- oder fortschrittliche Synagoge (ul. Miodowa 26) und erinnert im Gegensatz zu der ersten beinahe an einen Palast. Sie wurde 1862 im neuromanischen Stil errichtet, während Zierelemente und Art der Vergoldungen im Innenraum an die maurische Kultur anknüpfen. Die Synagoge gehörte den Fortschrittlichen Juden, die von der Aufklärung (Haskali) beeinflusst, die Riten ihres alten Glaubens teilweise ablegten sowie Deutsch und Polnisch in die Predigten einführten. ¦w. Wawrzyñca-Straße Eine der besonderen Straßen von Kazimierz ist die Verkehrsader der Wawrzyñca-Straße (St.-Lorenzstraße - der Name stammt von einer Kirche, die im Mittelalter hier gestanden hatte). Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden hier prächtige Betriebe in historisierend-eklektischen Stilen errichtet. Zuerst entstand 1882 ein Straßenbahndepot, das 1913 erweitert wurde. Auf dem benachbarten Grundstück wurde 1904-1905 das Städtische Kraftwerk in Betrieb genommen. Zusammen mit dem Städtischen Gaswerk aus dem Jahre 1857 in der nahe gelegenen ul. Gazowa 16 bildete das Gelände den am stärksten industrialisierten innerstädtischen Bereich. Besonders schön ist das alte Straßenbahndepot, wo in der letzten Zeit das Museum des Stadtingenieurwesens (ul. Wawrzyñca 15) eingerichtet wurde. Neben historischen Straßenbahnen und Bussen sind hier die Ausstattung einer alten Kerzenfabrik oder altmodische Aufzüge aus Krakauer Häusern zu bewundern. Darüber hinaus sind hier verschiedene wechselnde Ausstellungen zu sehen. Die Boheme in Kazimierz Um den Geist der Krakauer Boheme zu erleben, reichte es noch vor zehn Jahren, sich auf den Hauptmarkt zu begeben. Doch haben einerseits hohe Mieten und andererseits ein neuer Trend dazu geführt, dass die Künstler sich für Kazimierz zu interessieren begannen. Zusammen mit ihnen tauchten hier preiswerte Cafés, Ateliers und Galerien auf. Ihre größte Häufung gibt es im Gebiet der alten jüdischen Stadt, in den Straßen Szeroka, Izaaka, Miodowa, Józefa, Podbrzezie sowie auf dem Nowy-Platz. Zusätzlich hat der mit zahlreichen Oskars ausgezeichnete Film "Schindlers Liste" von Steven Spielberg, der von den Schicksalen der Krakauer Juden im 2. Weltkrieg handelt, diesen Ort weltbekannt gemacht. Heute kann man in Kazimierz eine bunte Menschenmenge erleben, von orthodoxen Juden in schwarzen Kaftanen, über die mit Fotoapparaten behangenen Touristen bis hin zu einer farbenprächtigen Mischung aus Künstlern und Jugendlichen. Es wäre unmöglich, die Namen von allen Kneipen, Cafés und Restaurants zu nennen, welche die magische Atmosphäre dieses Viertels nutzen und hier wie Pilze aus dem Boden schießen. Jedes der kleinen Cafés begeistert durch seine künstlerische Einrichtung und seinem unverwechselbaren Charakter; alle zusammen runden sie das Bild dieser Stätte ab, wo der Geist der Kunst, der Geschichte und der Jugend herrscht. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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